Willkommen auf meinem Almanach.
Hier verbinde ich historische Quellen, gelebte Praxis und kulinarische Traditionen alter und moderner Glaubenswelten.
Wir starten am 11. November mit einem Fest für die Einherjar.

Datum: 11. November
Tradition: Ásatrú / Modernes Heidentum
Bedeutung: Modernes Gedenken an die Einherjar
Brauchtum: Symbolisches Festmahl mit Schweinsbraten & Met
Über das Fest:
Zu den bekanntesten Kriegern und Kämpfern zählen die Einherjar, die gefallenen Krieger in Walhalla.
Freyja erhält in der nordischen Überlieferung die Hälfte der Gefallenen, die andere Hälfte erhält Óðinn für Walhalla. Freyjas Gefallene gelangen nach Fólkvangr, ihrer Jenseitswiese mit der Halle Sessrúmnir.
Walküren erscheinen in den Überlieferungen auch als diejenigen, die den Gefallenen in Walhalla den Trank reichen.
Durchzogen von verschiedensten Kriegen, Kämpfen und Schlachten erinnert sich der Mensch an die Vergangenheit als eine stete Ära von kriegerischen Konflikten – unterbrochen durch friedlichere Zeiten.
Gründe dafür gibt es viele, doch wie essentiell dieses Thema auch sein mag, zeigt ein Blick in die Geschichte und auf die verschiedensten Pantheone: Kriegsgötter finden sich in zahlreichen Kulturen, und Krieger und Soldaten galten vielerorts als Beschützer ihrer Gemeinschaft.
Warum der 11. November?
Dass dieses Fest am 11. November gefeiert wird, ist kein Zufall, sondern schlägt eine Brücke zwischen alter Mythologie und moderner Erinnerungskultur. Am 11. November 1918 trat der Waffenstillstand von Compiègne in Kraft, der die Kampfhandlungen an der Westfront des Ersten Weltkriegs beendete.
Seither ist dieses Datum in vielen Ländern ein bedeutender Gedenktag:
In Frankreich als Armistice Day, an dem des Waffenstillstandes vom 11. November 1918 gedacht wird, in UK und Commonwealth als Remembrance Day in Form eines Gedenktages an die Kriegstoten und in den USA als Veterans Day, zur Ehrung aller Veteranen, der Lebenden wie der Toten.
In den USA greift die moderne Ásatrú-Szene (u.a. die Asatru Alliance) diesen weltlichen Gedenktag auf. Sie übertrug den Geist des Erinnerns in das nordische Weltbild: Aus dem Gedenken an moderne Soldaten wurde das Feast of the Einherjar – ein Tag, an dem die Gefallenen der Vergangenheit, die Beschützer der Gemeinschaft und die Helden in Walhalla und Fólkvangr geehrt werden.
Walhalla
Der Körper ist gefallen, die Tat wird durch das Wort bewahrt.
Jeden Tag wird in Walhalla gekämpft, trainiert und gefeiert – und so bereiten sich die gefallenen Krieger auf Ragnarök vor.
Ihnen zur Speise dient der Eber Sæhrímnir, die Ziege Heiðrún schenkt ihnen Met in großen Mengen.
Die Überlieferungen erzählen, dass die Walküren die gefallenen Krieger nach Walhalla geleiten und ihnen dort auch Met reichen.
Wo die Krieger bei Schweinefleisch und Met tafeln, greift Óðinn selbst nur zum Met, das Fleisch, das ihm dargebracht wird, erhalten seine Wölfe Geri und Freki.
Wenn große Helden oder Götter Walhall betreten, ist es Bragis Aufgabe, sie mit geschliffener Rede willkommen zu heißen, wie es im Gedicht des Hákonarmál des Skalden Eyvindr Skáldaspillir nachzulesen ist. Es ist naheliegend zu sagen: Als Skalde ist Bragi auch für die Unterhaltung zuständig – und die Lieder der Skalden waren nicht immer ganz jugendfrei. 😉
Was er in Walhalla zum Besten gibt? Das wissen wohl nur diejenigen, die sich dort aufhalten.
Einzug in Walhalla
(aus Óðinns Schwelle: Wunden, Prüfungen und Wahrheit des Allvaters)Als er aufblickte, konnte er es kaum fassen. Freundliche Gesichter – schöne Frauen, einige gezeichnet von Narben, doch ihre Schönheit lag nicht im Äußeren, sondern in dem, was sie im Innern trugen. Wärme, Stärke, Erinnerung.
In der Nähe, die zugleich fern und nah war, saß ein Mann auf einem großen Thron. Nur die rechte Hand erhoben, ein Rabe auf der Schulter. Er wirkte, als sei er ganz woanders – und doch war er hier, gegenwärtig, schwer wie Schicksal.
Aus der großen Halle vor ihm drang Gelächter, das Klirren von Metall auf Metall, die Stimmen von Feiernden, und darüber schwebte ein Gesang. Vertraut, und doch fremd. Eine Stimme, die ihm durch Mark und Bein ging. Worte, die ihn innehalten ließen:„Gunnar?“
Sein Herz stolperte. Nein – sein Kamerad war nicht gefallen. Das spürte er, tief, in jedem Atemzug. Er hatte überlebt. Und während sein Blick wieder zum Mann auf dem Thron wanderte, wusste er: Dieser war beschäftigt. Doch andere nahmen ihn auf, zogen ihn hinein, hießen ihn willkommen. Einige kannte er, hatte mit ihnen gekämpft, Schulter an Schulter im Schildwall. Sie drückten ihm einen Becher Met in die Hand, reichten Speise, Hände warm, Augen ehrlich.
Dann erklangen die Worte:
„Hört! So werden sie besungen!“Und wieder – diese sanfte Stimme. Eine Frauenstimme, die er kannte. Eine Geliebte, die ihn einst geschätzt hatte, deren Blick, deren Wesen ihn berührt hatte. „Gunhild?“ – kaum wagte er zu hoffen.
Er hörte, wie sie von ihm sang, mitten im Langhaus, dort, wo er für die Begräbnisriten vorbereitet wurde. Die Krieger um ihn hielten inne, lauschten, respektvoll, ehrfürchtig. Als die Gesänge verklangen, stießen sie auf ihn an, Becher klirrten, ein Moment stiller Anerkennung.Sie würde seinen Ruhm mehren. Nicht durch Reichtümer, nicht durch Macht. Sondern durch Erinnerung, durch Kraft, die nur die Musik und die Worte eines Skalden schenken können. Sie schenkte ihm Stärke, indem sie ihn nicht dem Vergessen überließ. Er wandte den Blick zum Mann auf dem Thron. Dessen rechter Mundwinkel hob sich, ein leichtes Lächeln. Nicht laut, nicht aufdringlich – und doch sprach es: „Du bist gesehen. Du bist wahrgenommen. Du bist würdig.“
Vorschlag für das Fest / die Feier:
Feier so, wie es für dich stimmig ist. Spirituelle Feste sind im Regelfall sehr individuell gestaltbar.
Richte den Raum her, wie es für dich passt und schmücke passend zum Fest (beispielsweise mit Fell auf den Sitzen, Holztellern und anderen passenden Deko-Elementen). Orientiere dich an den Beschreibungen von Walhalla, entzünde eine schlichte Kerze am Tisch oder gestalte anders wie es für dich passt.
Feierst du draußen, passt offenes Feuer (z.B. ein Lagerfeuer).
Wenn du magst, wähle passende Musik für die Stimmung.
Es gibt keine Vorgaben – feiere wie es dir stimmig erscheint.
Du feierst mit den Einherjar, ihr Leben, ihren Tod und wofür sie standen und stehen.
Ehre die gefallenen Krieger, indem du einen weiteren Teller mit der Speise und einen weiteren Becher mit Met auf den Tisch stellst. Sprich ein paar Worte und lade so diejenigen ein mit euch zu speisen, die du an diesem Tag zu ehren wünschst.
Sprich den Namen einer konkreten Person oder lass es für alle gelten.
Gestalte es so frei, wie es für dich richtig erscheint.
Proste ihnen zu und freu dich, wenn sie in deiner Mitte sitzen.
Ist das Mahl serviert:
In vielen alten Kulturen war es üblich, dem Tier für sein Leben zu danken. Mancher, der den alten Weg heute geht, hält vor dem Mahl für einen Moment inne und dankt, bevor gespeist wird.
Willst du dies so machen, dann genügt ein kurzer Gedanke vor dem Verzehr, wie beispielsweise: „Ich danke dir für dein Leben.“
Serviert wird:
Schweinsbraten & Met
Dieses Gericht ist eine heutige Umsetzung für den modernen Einherjar Tag, kein überliefertes Rezept für den 11. November.
Es wurde in Anlehnung an den Eber Sæhrímnir und die Ziege Heiðrún gewählt, die beide mit Walhalla verbunden sind. Es steht dir selbstverständlich frei, eine andere Speise (z. B. einen Lammeintopf oder anderes) zu wählen, je nach persönlicher Präferenz.
Zutaten:
Für 2 Personen:
• 300 g Schweinskarree am Stück, möglichst mit Fettschicht (besonders lecker ist hier Fleisch vom Duroc-Schwein)
• Salz nach Bedarf
• 2 Esslöffel Öl (zum Rausbraten)
• 1-2 Knoblauchzehen
• 1 Zweig Rosmarin
• 2 Zweige Thymian
• ca. 150 ml Wasser
• Met zum Servieren
• Beilage nach Wunsch (Schwarzbrot, Kartoffel, Reis, …)
Zubereitung:
- Heiz das Backrohr auf 160 °C Ober-/Unterhitze vor.
- Ritze die Fettschicht des Schweinskarrees kreuzweise ein, ohne dabei in das Fleisch zu schneiden.
Reib das Fleisch auf allen Seiten mit Salz ein. - Erhitze das Öl in einer Pfanne oder einem ofenfesten Bräter und brate das Fleisch von allen Seiten kräftig an, je nach Seite braucht es etwa 1–2 Minuten.
- Leg das Fleisch mit der Fettschicht nach oben in einen ofenfesten Bräter.
Verteile Knoblauch, Rosmarin und Thymian auf dem Fleisch und gieße das Wasser rund um das Fleisch. - Stell den Bräter ins Backrohr und brate das Fleisch etwa 40–50 Minuten. Die genaue Zeit hängt von der Dicke des Fleischstücks ab. Wenn du ein Fleischthermometer hast, sollte die Kerntemperatur etwa 65–68 °C erreichen.
- Nimm das Fleisch aus dem Backrohr und lasse es etwa 10 Minuten ruhen, bevor du es anschneidest.
- Schneide den Braten in Scheiben und serviere ihn mit einer passenden Beilage und Met zum Trinken.

Worum du sie bitten kannst, wenn du ihre Hilfe möchtest:
Lasst mich so stark sein wie ihr, so unerschütterlich auf meinem Weg.
Lasst meine Taten für sich sprechen.
Lasst mein Andenken bestehen, wenn meine Zeit gekommen ist.
Bitte nicht an ihrem Festtag, der ist zum Feiern da.
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Verweise:
Die „Asatru Alliance“ führt Fogmoon 11 – Feast of the Einherjar und beschreibt ihn als Ehrentag jener Toten, die für Familie und Volk ihr Leben gaben.
Literaturempfehlung:
Poetische Edda: Grímnismál, Vafþrúðnismál, Eiríksmál
Prosa-Edda: Gylfaginning, Skáldskaparmál
Eyvindr skáldaspillir: Hákonarmál
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