Willkommen auf meinem Almanach.
Hier verbinde ich historische Quellen, gelebte Praxis und kulinarische Traditionen alter und moderner Glaubenswelten.
Wir starten mit dem 11. November mit dem Feast of the Einherjar

Datum:
11. November
– Fest der Einherjar
– Fest der gefallenen Krieger
– Feast of the Einherjar
Über das Fest:
Zu den bekanntesten Kriegern und Kämpfern zählen die Einherjar, die gefallenen Krieger in Walhalla.
Freyja erhält in der nordischen Überlieferung die Hälfte der Gefallenen, die andere Hälfte erhält Óðinn für Walhalla. Freyjas Gefallene gelangen nach Fólkvangr, ihrer Jenseitswiese mit der Halle Sessrúmnir.
Walküren erscheinen in den Überlieferungen auch als diejenigen, die den Gefallenen in Walhalla den Trank reichen.
Durchzogen von verschiedensten Kriegen, Kämpfen und Schlachten erinnert sich der Mensch an die Vergangenheit als eine stete Ära von kriegerischen Konflikten – unterbrochen durch friedlichere Zeiten.
Gründe dafür gibt es viele, doch wie essentiell dieses Thema auch sein mag zeigt ein Blick in die Geschichte und zu den verschiedensten Pantheonen: Kriegsgötter gab es praktisch überall und fast in allen Kulturen gelten und galten Krieger und Soldaten als Beschützer.
Der 11. November ist in den USA der „Veterans Day“, an dem alle Veteranen geehrt werden. Im Commonwealth wird an diesem Datum der „Remembrance Day“ begangen, der dem Gedenken an die Gefallenen und den Opfern von Kriegen und Konflikten dient.
Moderne Heiden in den USA haben diesen Tag aufgegriffen, um ihrerseits der Einherjar zu gedenken. Der Feast of the Einherjar ist damit kein altes, überliefertes nordisches Fest, sondern eine moderne heidnische Tradition.
Walhalla
Der Körper ist gefallen, die Tat wird durch das Wort bewahrt.
Jeder Tag in Walhalla, wo die gefallenen Krieger trainieren, kämpfen und feiern, bereiten sie sich auf Ragnarök vor.
Ihnen zur Speise dient der Eber Sæhrímnir, die Ziege Heiðrún schenkt ihnen Met in großen Mengen.
Herr über Walhalla ist Óðinn selbst, der einst mit Freya das Übereinkommen traf, die Hälfte der gefallenen Krieger kommt zu ihm, die andere Hälfte zu ihr nach Fólkvangr. Walküren erscheinen in den Überlieferungen auch als diejenigen, die den Gefallenen in Walhalla den Trank reichen.
Óðinn selbst isst das Fleisch nicht. Er gibt es seinen Wölfen Geri und Freki. Ihm gereicht Met als Nahrung und Trank.
Bragi, der Gott der Dichtkunst und Skalde ist für die Unterhaltung zuständig – und die Lieder der Skalden waren nicht immer ganz jugendfrei 😉. Was er in Walhalla zum Besten gibt? Das wissen wohl nur diejenigen, die sich dort aufhalten.
Einzug in Walhalla
(aus Óðinns Schwelle: Wunden, Prüfungen und Wahrheit des Allvaters)
Als er aufblickte, konnte er es kaum fassen. Freundliche Gesichter – schöne Frauen, einige gezeichnet von Narben, doch ihre Schönheit lag nicht im Äußeren, sondern in dem, was sie im Innern trugen. Wärme, Stärke, Erinnerung.
In der Nähe, die zugleich fern und nah war, saß ein Mann auf einem großen Thron. Nur die rechte Hand erhoben, ein Rabe auf der Schulter. Er wirkte, als sei er ganz woanders – und doch war er hier, gegenwärtig, schwer wie Schicksal.
Aus der großen Halle vor ihm drang Gelächter, das Klirren von Metall auf Metall, die Stimmen von Feiernden, und darüber schwebte ein Gesang. Vertraut, und doch fremd. Eine Stimme, die ihm durch Mark und Bein ging. Worte, die ihn innehalten ließen:
„Gunnar?“
Sein Herz stolperte. Nein – sein Kamerad war nicht gefallen. Das spürte er, tief, in jedem Atemzug. Er hatte überlebt. Und während sein Blick wieder zum Mann auf dem Thron wanderte, wusste er: Dieser war beschäftigt. Doch andere nahmen ihn auf, zogen ihn hinein, hießen ihn willkommen. Einige kannte er, hatte mit ihnen gekämpft, Schulter an Schulter im Schildwall. Sie drückten ihm einen Becher Met in die Hand, reichten Speise, Hände warm, Augen ehrlich.
Dann erklangen die Worte:
„Hört! So werden sie besungen!“
Und wieder – diese sanfte Stimme. Eine Frauenstimme, die er kannte. Eine Geliebte, die ihn einst geschätzt hatte, deren Blick, deren Wesen ihn berührt hatte. „Gunhild?“ – kaum wagte er zu hoffen.
Er hörte, wie sie von ihm sang, mitten im Langhaus, dort, wo er für die Begräbnisriten vorbereitet wurde. Die Krieger um ihn hielten inne, lauschten, respektvoll, ehrfürchtig. Als die Gesänge verklangen, stießen sie auf ihn an, Becher klirrten, ein Moment stiller Anerkennung.
Sie würde seinen Ruhm mehren. Nicht durch Reichtümer, nicht durch Macht. Sondern durch Erinnerung, durch Kraft, die nur die Musik und die Worte eines Skalden schenken können. Sie schenkte ihm Stärke, indem sie ihn nicht dem Vergessen überließ. Er wandte den Blick zum Mann auf dem Thron. Dessen rechter Mundwinkel hob sich, ein leichtes Lächeln. Nicht laut, nicht aufdringlich – und doch sprach es: „Du bist gesehen. Du bist wahrgenommen. Du bist würdig.“
Vorschlag für das Fest / die Feier:
Feier so, wie es für dich stimmig ist, gerade diese spirituellen Feste sind im Regelfall sehr individuell.
Richte den Raum so her, wie es für dich passt: schmücke passend zum Fest (beispielsweise mit Fell auf den Sitzen, Holztellern und anderen passenden Deko-Elementen), wie könnte es in Walhalla aussehen? Sieh dir an wie es beschrieben wird und orientier dich daran – oder mach es ganz schlicht mit einer Kerze am Tisch.
Du feierst es, aber so wie es für dich stimmig ist.
Vorschlag:
Du feierst mit den Einherjar, ihr Leben, ihren Tod und wofür sie standen und stehen.
Gib auf einen weiteren Teller was du selbst isst und trinkst, stelle es auf einen Platz in eurer Mitte, sprich ein paar Worte und lade so diejenigen ein mit euch zu speisen, die du an diesem Tag zu ehren wünschst.
Sprich den Namen einer konkreten Person oder lass es für alle gelten.
Gestalte es so frei, wie es für dich richtig erscheint. Proste ihnen zu und freu dich, wenn sie in deiner Mitte sitzen.
Ist das Mahl serviert:
Viele, die den alten Weg gehen halten für einen Moment inne und danken dem Tier für das Leben, das es gab, damit wir Fleisch essen können. Es ist eine simple Geste der Dankbarkeit, die du geben kannst (aber es ist keine Pflicht).
Willst du dies so machen, dann genügt ein ein kurzer Gedanke vor dem Verzehr wie beispielsweise: „ich danke dir für dein Leben.“
Serviert wird: Schweinsbraten & Met
Dieses Gericht ist eine heutige Umsetzung für den modernen Einherjar Tag, kein überliefertes Rezept für den 11. November.
Es wurde in Anlehnung an den Eber Sæhrímnir und die Ziege Heiðrún gewählt, die beide mit Walhalla verbunden sind. Es steht dir selbstverständlich frei, eine andere Speise (z. B. einen Lammeintopf oder anderes) zu wählen, je nach persönlicher Präferenz.
Zutaten:
Für 2 Personen:
• 300 g Schweinskarree am Stück, möglichst mit Fettschicht (besonders lecker ist hier Fleisch vom Duroc-Schwein)
• Salz nach Bedarf
• 2 Esslöffel Öl (zum Rausbraten)
• 1-2 Knoblauchzehen
• 1 Zweig Rosmarin
• 2 Zweige Thymian
• ca. 150 ml Wasser
• Met zum Servieren
• Beilage nach Wunsch (Schwarzbrot, Kartoffel, Reis, …)
Zubereitung:
- Heiz das Backrohr auf 160 °C Ober-/Unterhitze vor.
- Ritze die Fettschicht des Schweinskarrees kreuzweise ein, ohne dabei in das Fleisch zu schneiden.
Reib das Fleisch auf allen Seiten mit Salz ein. - Erhitze das Öl in einer Pfanne oder einem ofenfesten Bräter und brate das Fleisch von allen Seiten kräftig an.
Je nach Seite braucht es etwa 1–2 Minuten. - Leg das Fleisch mit der Fettschicht nach oben in einen ofenfesten Bräter.
Verteile Knoblauch, Rosmarin und Thymian auf dem Fleisch und gieße das Wasser rund um das Fleisch. - Stell den Bräter ins Backrohr und brate das Fleisch etwa 40–50 Minuten. Die genaue Zeit hängt von der Dicke des Fleischstücks ab. Wenn du ein Fleischthermometer hast, sollte die Kerntemperatur etwa 65–68 °C erreichen.
- Nimm das Fleisch aus dem Backrohr und lasse es etwa 10 Minuten ruhen, bevor du es anschneidest.
- Schneide den Braten in Scheiben und serviere ihn mit einer passenden Beilage und Met zum Trinken.

Verweise:
*) Die „Asatru Alliance“ führt Fogmoon 11 – Feast of the Einherjar und beschreibt ihn als Ehrentag jener Toten, die für Familie und Volk ihr Leben gaben.
*) Literaturempfehlung: Poetische Edda – Grímnismál, Eiríksmál, Skáldskaparmál
was wird am 11. November noch gefeiert?
*) Frankreich/Belgien:
Armistice Day – Gedenken an den Waffenstillstand vom 11. November 1918
*) Großbritannien/Commonwealth:
Remembrance Day / Poppy Day – Gedenktag an die Kriegstoten und diejenigen, die in Kriegen und Konflikten gedient haben. Symbol: die rote Mohnblume.
*) USA:
Veterans Day – seit 1954, davor Armistice Day – ehrt alle amerikanischen Militärveteranen, lebende wie verstorbene.
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