
Datum: 17. Oktober (Jerofej-Tag)
Tradition: Russischer Volksglaube / Slawisches Heidentum
Bedeutung: Abschied vom Waldgeist Leshy vor dem Winterschlaf
Brauchtum: Symbolisches Speiseopfer mit Waldpilzen und Ei
Über das Fest:
Der Überlieferung nach zieht sich der Waldgeist Leshy an diesem Tag für den Winter zurück. Bevor er verschwindet, soll er noch einmal wild durch den Wald toben: Er lässt starke Winde aufkommen, bricht Bäume, vertreibt Tiere und brüllt durch den Wald – vielleicht ein wenig wie ein Kind, das noch nicht schlafen gehen möchte. 😉
Da Leshy in dieser Zeit besonders unberechenbar sein soll, mied man der Überlieferung nach den Wald. Man wollte ihn nicht gegen sich aufbringen und riskieren, von ihm in die Irre geführt zu werden. In manchen Darstellungen wird auch von einer Gabe aus Brot und Salz berichtet, die Leshy zum Abschied gebracht wurde, um ihn gnädig zu stimmen. Wie weit dieser Brauch verbreitet war, sollte nicht ohne weitere Quellen verallgemeinert werden.
Sein Rückzug lässt sich außerdem als symbolischer Übergang zur winterlichen Ruhe verstehen: Die Zeit der intensiven Nutzung des Waldes ging zu Ende, und Mensch und Natur stellten sich auf den Winter ein.
Warum der 17. Oktober?
Name: Ерофеев день (Jerofejew den) oder Лешегон (Leshegon), sinngemäß etwa „Tag des Vertreibens des Leshy“.
Datum: 17. Oktober nach dem heute üblichen gregorianischen Kalender; 4. Oktober nach dem julianischen Kalender.
Überlieferung: Der Leshy verabschiedet sich vom Wald, tobt ein letztes Mal und zieht sich anschließend bis zum Frühjahr in die Erde zurück.
Brauch: Man mied an diesem Tag den Wald, weil man den Waldgeist nicht stören wollte.
Vorschlag für das Fest / die Feier:
Vermeide am 17. Oktober einen Ausflug tief in den Wald und begehe den Tag als symbolischen Abschied von Leshy bis zum Frühling.
Die heutigen Rituale sind persönliche Gestaltungsideen, keine überlieferten historischen Vorschriften.
Gestalte einen kleinen Waldaltar aus Dingen aus dem Wald wie Zapfen oder Blätter.
Leg dort auch das Brot mit dem Salz hin.
Sprich zu Leshy, rede mit ihm und verabschiede ihn in den Winter.
Im Wald „verloren“ gehen
Wer im Wald unterwegs ist, sollte sich diesem und seinen Bewohnern gegenüber entsprechend verhalten. Wer dies nicht tut, könnte den Zorn der Waldwesen wie Leshy auf sich ziehen oder ihn einfach am „falschen Fuß“ erwischen.
Die Vorstellung ein übernatürliches Wesen könnte Menschen vom Wald abbringen findet sich nicht nur bei Leshy. In Finnland heißt es beispielsweise Metsänpeitto. Mensch wie Tier können dabei in vertrauter Umgebung die Orientierung verlieren oder vom Wald verborgen werden.
Manchmal hilft es dabei die Kleidung „auf links zu drehen“, als Schutz wie es auch mitunter in Erzählungen über Leshy erwähnt wird.
In britischen wie irischen Erzählungen sind Feenwesen bekannt, die Wanderer in die Irre führen.
Japan kennt es unter dem Begriff Kamikakushi, wo Menschen von den Tengu, den Berggeistern, entführt werden.
Viele Länder kennen Begriffe die dieses „Verloren gehen“ bezeichnen.
Wer möchte, kann hier gerne weiterrecherchieren.
Serviert wird:
Waldpilze mit Ei
Im Wald gibt es viele essbare Pilzarten wie Parasol, Steinpilz oder Eierschwammerl (Pfifferlinge), manche Tintlinge oder Krause Glucke.
Sammle nur was du kennst. Bist du dir unsicher, lass lieber die Finger davon und beachte auch die potentiellen Doppelgänger.
Was du findest und eindeutig als Speisepilz identifizieren kannst, schneide mit dem Messer ab, putz sie grob und leg sie am besten in einen Korb für den Transport.

Zutaten:
Für 1 Person
• Waldpilze, die du findest (oder wenn dir lieber ist, kaufst – wie Eierschwammerl)
• 3 Eier
• 1 Zwiebel
• 1 Esslöffel Öl zum Anbraten
• Schnittlauch oder Petersilie nach Wunsch
Zubereitung:
- Schäle und schneide die Zwiebel in Würfel und brate sie im Öl an bis sie duftet und leicht braun wird.
- Schneid währenddessen die Pilze mundgerecht und gib sie zu den Zwiebeln, brate auch diese an.
- Gib die Eier dazu und rühre alles gut unter.
- Würze mit Salz und Pfeffer nach Geschmack.
- Streue Schnittlauch oder Petersilie drüber.
Anmerkung zum Rezept:
Wenn du die Speise im Rahmen deiner persönlichen Praxis als symbolische Gabe für Leshy zubereitest, kannst du Zwiebeln und Gewürze weglassen. Brot mit Salz und Eier werden in älteren Sammlungen russischer Volksüberlieferungen im Zusammenhang mit Leshy als Gaben erwähnt.

Worum du ihn bitten kannst, wenn du seine Hilfe möchtest:
Leshy gilt als Herr des Waldes, der diesen schützt und behütet, aber auch jene bestrafen kann, die ihm Schaden zufügen.
Deshalb lohnt es sich, gut zu überlegen, worum du ihn bitten möchtest.
Worum Menschen den Leshy baten:
In russischen Volksüberlieferungen baten Menschen ihn um Schutz für ihre Herden, um Erfolg bei der Jagd und um Hilfe, wenn Vieh oder Menschen im Wald verloren gegangen waren. Gaben wie Brot mit Salz werden in älteren Berichten erwähnt. Manche Überlieferungen beschreiben auch Abmachungen zwischen Hirten und dem Waldgeist, durch die dieser die Herde schützen sollte.
Ziemlich einstimmig waren die Bitten an ihn um Schutz für das Vieh, um Jagdglück und um Hilfe, wenn Menschen oder Tiere im Wald verloren gegangen waren. Er war nicht nur ein unheimlicher Waldgeist, sondern auch eine Macht, mit der Menschen, die auf den Wald angewiesen waren, sich arrangieren mussten.
Er war ein Wesen dessen Einfluss auf Jagd, Viehhaltung und das sichere Durchqueren des Waldes gefürchtet und zugleich gesucht wurde.
Die traditionellen Bitten an den Leshy unterschieden sich je nach Region und Lebensweise.
Wenn du heute bitten möchtest:
Warum besuchst du sein Reich den Wald?
Du kannst ihn auch heute um vieles bitten, beispielsweise die Natur genießen, für Erholung, zum Sammeln von Pilzen oder das Sehen von Wildtieren.
Bitte ihn, wenn du Orientierung suchst oder dir einen anderen Blick auf die Welt und deine Umgebung wünschst.
Bitte ihn, damit du leichter Speisepilze oder anderes Schönes finden kannst, das dir sonst entgehen würde.
Manche bringen ihm eine Gabe mit, wenn sie den Wald betreten:
Einen hübschen Stein, der unterwegs gefunden wurde, eine Blume die ihm gefallen könnte oder anderes.
Diese Gabe wird am Eingang abgelegt, mit Worten wie: Leshy, das ist für dich.
Ob du Leshy an einem bestimmten Tag um etwas bittest oder an einem anderen, bleibt dir überlassen. Der 17. Oktober wird in einer modernen Darstellung russischer Waldtraditionen mit dem Rückzug des Leshy für den Winter verbunden. Ob damit traditionell auch besondere Bitten oder Opfergaben verbunden waren, ist nicht ausreichend belegt.
Du kannst diesen Tag daher als persönlichen Anlass nutzen, um dich mit Leshy, dem Wald und deinem eigenen Verhältnis zur Natur auseinanderzusetzen.
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Verweise:
Im russischen Volkskalender ist der Jerofej-Tag (Ерофеев день) mit der Bezeichnung Leshegon (Лешегон) verbunden. Einer verbreiteten Überlieferung zufolge zieht sich Leshy an diesem Tag in die Erde zurück, wo er bis zum Frühjahr verweilt.
Der 17. Oktober wird auch auf der Webseite des Biosphärenreservats Prioksko-Terrasny im Zusammenhang mit dieser Überlieferung aufgeführt.
Kalender Hinweis:
Der 17. Oktober im gregorianischen Kalender entspricht dem 4. Oktober im julianischen Kalender.
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