Angrboða – auf einen Blick
- Wesen: Jötunin
- Gefährte: Loki
- Kinder: Hel, Fenrir, Jörmungandr

Datum: 19. November
Tradition: Lokean-Tradition / Modernes Heidentum
Bedeutung: Ehrgedenken an Angrboða
Brauchtum: Moderne Opfergaben, Speisen und persönliche Ehrungsrituale
Über das Fest:
Viele kennen ihren Gefährten Loki.
Vor ihren Kindern Hel, Jörmungandr, Fenrir hatten selbst die Götter Angst.
Angrboða selbst hingegen wurde lange Zeit wenig Beachtung geschenkt. Über sie gibt es nur wenige überlieferte Informationen. Wer mit ihr arbeiten möchte, muss sich daher vieles selbst erarbeiten.
Erst in letzter Zeit tritt sie als relevante Persönlichkeit hervor, die man um Unterstützung bitten kann.
Sie ist eine Jötun, entsprechend kann das Arbeiten mit ihr ziemlich fordernd werden.
Warum der 19. November?
Wie bei ihrem Gefährten Loki schufen nordamerikanische, neopagane Strömungen (insbesondere der Lokean -Community und im Northern Tradition Paganism) neue, moderne Feiertage für jene, die gern vergessen wurden, obwohl auch von ihnen viel gelernt werden kann. Warum sonst sucht beispielsweise Odin selbst den weisen Jötun Vafþrúðnir auf, um sich mit ihm über altes Wissen zu messen? Und warum zeugt Thor mit der Riesin Járnsaxa einen Sohn? Die Grenzen mögen fließend sein, aber manchmal sind genau diese „Vergessenen“ diejenigen, die einen besonders unterstützen.
Der 19. November selbst markiert eine Zeit, in der Ruhe beginnt, aber noch nicht ganz da ist. Ein Übergang sozusagen.
Die Natur zieht sich zurück, die Vegetation stirbt und die Fülle der Natur trägt einen nun nach der Ernte über die Wintertage.
In manchen Geschichten heißt es, der Eisenwald (Járnviðr) sei kahl, ein Bereich wo die Mächte der Wildnis und der Finsternis die Oberhand zu gewinnen beginnen. In anderen Geschichten mag er blühen voller Leben. Wir wissen es nicht genau.
Vielleicht ist es der Teil der alten Natur, die der Mensch nie geschafft hat zu zähmen. Vielleicht liegt es daran, dass die Jötnar näher an der alten Natur sind.
Der 19. November liegt vor den Raunächten, vor Jul, in einer Zeit, in der die Weltengrenzen dünner werden und wo die Schleier zwischen den Welten sich heben.
Vorschlag für das Fest / die Feier:
Angrboða ist keine zarte Seele, die man mit hübschem Dekor locken kann – sie ist die wilde Natur, die in jedem von uns schlummert. Wenn du für sie einen Platz richten möchtest stell ein Glas Alkohol hin (z. B. Whisky), leg etwas dazu, das an den Eisenwald erinnert, ein Messer oder einen Nagel beispielsweise.
Kredenze was du mit ihr verbindest.
Wenn du servierst, biete ihr einen gemütlichen Platz, vielleicht ein Fell (auch Kunstfell), das du auf ihren Platz legst.
Und wenn du mit ihr sprichst, rede Klartext.
Sie kann ohnehin erkennen was dein Inneres wirklich möchte – also lass die Lügen, die andere so gern hören möchten.
Sie gilt als Gefährtin beziehungsweise Geliebte Lokis. In modernen Interpretationen wird sie teilweise auch als seine Frau betrachtet, mitunter als frühere Gefährtin vor Sigyn.
Wo er schon mal feinfühlig sein kann – wette bei ihr lieber nicht drauf.
Wenn du dich eher zu den sanften und „freundlichen“ hingezogen fühlst, überleg dir gut, was du wirklich von ihr möchtest – du könntest sonst eine ziemliche Überraschung erleben, die dir vielleicht nicht so gut gefällt.
Serviert wird:
gebratene Leber
Angrboða zu feiern ist eine recht junge Tradition.
Dunkles Roggenbrot findet sich in den Gabenbereichen, Pilze und auch rotes Fleisch werden im Internet manchmal genannt. Leber und andere Innereien, in Schweineschmalz gebraten, ergeben ein kräftiges, tierisches Gericht.
Vor allem Waldpilze wie Parasol oder Steinpilz passen zur Waldsymbolik. Im Internet finden sich manchmal Vorschläge zu rotem Fleisch und Pilzen als Gaben.
Ich dachte anfangs an ein Blunzengröstl, aber ich glaube gerade die Riesen im Eisenwald werden eher etwas weniger „Zivilisiertes“ vorziehen. So entschied ich mich für ein recht simples Gericht, das mehrere Bereiche einschließt – es sollte „roh“, bodenständig und dem Thema entsprechend sein. Wo es keine Überlieferungen an Opfergaben gibt, ist es am sinnvollsten sich nach dem zu orientieren wer die empfangende Persönlichkeit ist.
Bei Angrboða könnte sich dieser Vorschlag anbieten (allerdings steht es frei, auch ein anderes Gericht zu wählen). :
Sie gehört zu den Jötun, diese wiederum stehen für die weniger gezähmten Ur-Kräfte der Natur, das Chaos, die Zeit vor der menschlichen Zivilisation und das Überleben in unwirtlichen, kalten Regionen.
Sie sind in vielem den Asen ähnlich, aber eben nicht gleich.
Innereien, schweres Schweineschmalz, scharfer Lauch und wilde Pilze sind genau das, was die Natur (und die Jagd) hergibt, es ist schwer, erdig und roh.
Der Eisenwald (Járnviðr), wirkt dunkel, dicht, voller knorriger, alter Bäume, Schatten und Wölfe.
Stell dir eine Welt vor, wo die Natur noch nicht so gezähmt ist, sondern wo man hinter einem Baum einen Wolf heulen hört, wo man den Duft von moosbesetztem Holz riechen kann und wo irgendwo im Hintergrund ein Wesen steht, das einen beobachtet. Gruselig? Vielleicht. Aber auch etwas, das unsere moderne Zeit immer weniger bietet – einen Märchenwald voller Zauber und Mystik, nach der sich die menschliche Seele manchmal sehnt.
Lauch, Zwiebeln und vor allem echte Waldpilze stammen direkt aus dem modrigen, feuchten Unterholz dieses metaphorischen Waldes. Wer möchte, kann natürlich Zuchtpilze wie Champignon nehmen, aber ich ziehe da eher Waldpilze vor – Geschmackssache.
Angrboða passt eher in die raue Natur und ein wildes Umfeld als an eine Tafel der „feinen Gesellschaft“, sie passt eher zu einem Lagerfeuer wo ein erlegtes Tier verzehrt wird als in höflicher Konversation mit Gabel und Messer zu dinieren.
Die Jöten gelten nicht gerade als Feingeister, sie wecken aber die ursprünglichen Lebens-Geister in einem. Dies ist nicht immer licht und angenehm, sondern geht auch schon mal an die Substanz, was die Wahl für die Innereien begründete (Nose-to-tail Küche). Wie der Vergleich von „Filet“ zu dem was im Körper ruht. Die „feine Oberfläche“ vs. die „nahrhafte Tiefe“.
Zutaten:
Für 2 Personen
• 1 größeres Stück Leber (ca. 600 g) – Schweine- oder Rinderleber
• 1/2 Bund Frühlingszwiebeln
• 1 Handvoll Brennnesselblätter
• Optional: Eine Handvoll echte Waldpilze (Steinpilze, Parasol,…), falls du welche finden kannst
• Schweineschmalz
• Salz und Pfeffer nach Bedarf
• dunkles Brot als Beilage
Zubereitung:
- Leber trocken tupfen, Häute und Sehnen entfernen und in Streifen schneiden.
- Gib Schmalz in die Pfanne und lass es flüssig werden.
- Schneide die Frühlingszwiebel und die Brennnesselblätter in dünne Streifen und brate sie in der Pfanne an
(Wenn du Pilze hast, schneide sie in Streifen und brate sie gemeinsam mit den Frühlingszwiebeln und Brennnesselblättern an.) - Gib die Leber dazu und brate sie scharf an, sodass sie innen noch leicht roh ist.
- Gib Salz und Pfeffer nach Wunsch dazu.
- Serviere mit dunklem Brot als Beilage.
Anmerkung:
Manche essen Leber gern roh, nur mit etwas Salz. Gerade Innereien haben sehr viele wertvolle Stoffe (Vitamine, Eisen, …). Der moderne Esser ist daran gewöhnt diese wertvollen Gaben in kleine Dosen zu sich zu nehmen – zu viel kann ungünstig werden. Vorsicht, wenn dein Magen empfindlich ist, der normale Gaumen ist diese intensive Kost heute kaum noch gewöhnt. Möchtest du auf Nummer sicher gehen, dann brate die Leber bis sie durch ist, pass dabei aber die Temperatur der Kochstelle an, damit nichts anbrennt.
Allgemein gilt: Rohe Speisen können Krankheitskeime in sich tragen, wenn du Bedenken hast, dann brate die Leber besser gut durch.

Worum du sie bitten kannst, wenn du ihre Hilfe möchtest:
Allzu viel bekannt ist nicht von ihr, außer, dass sie eine Jötun ist und ihre Kinder Hel, Fenrir und Jörmungandr den Asen ziemlich Angst machen.
Bitte sie, wenn du etwas in dir verarbeiten willst.
Bitte sie um Beistand, wenn du Kraft brauchst.
Bitte sie, wenn du einen Hauch des Alten fühlen möchtest, das die Zivilisation so sorgsam überdeckt hat.
Riesen sind nicht zart besaitet – behandle sie nicht wie eine Porzellanpuppe.
Sie kann dir helfen Kämpfe auszufechten, kann dir helfen zu etwas zu stehen, kann dir helfen für dich selbst einstehen zu lernen.
Suchst du Bequemlichkeit, Sonnenschein oder sanfte Harmonie, dann bist du bei ihr an der falschen Adresse – da kann dir passieren, dass du als „Dank“ für deine Gabe vielleicht nur Unverständnis oder Gelächter erntest.
Zähne zu zeigen, Grenzen rigoros zu verteidigen, gegen übermächtige Widerstände zu behaupten oder toxische Einflüsse kompromisslos abzuschneiden – das ist ihr Terrain.
Zivilisation will alles kontrollieren, glattbügeln und domestizieren. Angrboða verkörpert das ungezähmte Chaos, das sich nicht fügt. Wer sich lieber anpasst als zu sich selbst zu stehen – kann von ihr überwältigt werden – wer lieber frei ist, kann bei ihr die Hilfe finden, die gesucht wird.
Was möchtest du von ihr?
Vergiss die feinen Worte – gib ihr was du für sie hast und sag ihr klar was du willst. Kein Small-Talk, keine sanften Worte – sondern sei klar, direkt und sag was du wirklich willst – oder soll sie dich überraschen?
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Verweise:
Modernes Heidentum / Rökkatru: Der 19. November etablierte sich in der neopaganen Lokean- und Rökkatru-Community (insbesondere im Northern Tradition Paganism) als Gedenktag für Angrboða. Er steht symbolisch für den Beginn der tiefen Winterruhe, wenn der Eisenwald kahl wird und die rohen Kräfte der Natur die Oberhand gewinnen.
Verwendete Literatur und Überlieferungen:
•) Poetische Edda: Vǫluspá (Strophen zu den Jötnar, den Wölfen und dem Járnviðr), Hyndluljóð, Vafþrúðnismál
•) Prosa Edda (Snorri): Gylfaginning
•) Die nordgermanischen Göttinnen von Renate Steinbach (Ausgabe 2013)
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